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Textabschnitte in Einfacher Sprache

Einzelne Textabschnitte dieser Webseite wurden professionell in Einfache Sprache übersetzt. Sie sind auf dieser Seite aufgelistet.

Wenn es eine Übersetzung in Einfache Sprache gibt, ist der Originaltext auf der Webseite zu dem hier übersetzten Textabschnitt verlinkt.

Texte auf dieser Seite:

Die »Aktion M«: Möbeltransporte im Zusammenhang mit dem Massenmord

Die Nationalsozialisten raubten Jüdinnen und Juden von 1933-1945 ihr Eigentum. Zum Beispiel Möbel und Haushaltsgegenstände. Aber nicht nur Möbel. Auch Kunstsammlungen und Bücher – eigentlich jede Form von Eigentum. Und das in ganz Europa. Auch in den von den Nazis besetzen Ländern Westeuropas. Das waren Belgien, die Niederlanden, Luxemburg und Frankreich. Hier gingen die Täter besonders organisiert vor. Sie starteten die »Aktion M«. Wobei das »M« für Möbel steht.

Die Aktion begann am 14. Januar 1942. Auch das Oberste Heereskommando – also die Leitung des Militärs – war beteiligt. Die Verantwortlichen wussten: Das ist Diebstahl. Der deutsche Botschafter in Paris hat das auch aufgeschrieben. Er schrieb: Dafür gibt es keine Grundlage im Gesetz. Und weil es dafür kein Gesetz gab, suchten sie eine andere Begründung. Der deutsche Botschafter schrieb: Dann muss man Gründe in der Vergangenheit finden. Für den Transport des Geraubten waren sehr viele Fahrzeuge nötig. Bis 1944 kamen 735 Züge zum Einsatz. Sie brachten 29.463 Waggons nach Deutschland. Außerdem mindestens 580 Frachtschiffe. Es waren gewaltige Mengen. Aber die Behörden wollten noch mehr. Das zeigt ein Bericht von damals. Im September 1943 standen nicht genug Arbeitskräfte zur Verfügung. Das machte den Abtransport schwer. 70.000 jüdische Wohnungen und Häuser waren auf Listen geschrieben worden. Aber ihre Räumung verlief nicht schnell genug.

Die ungeheuer große Anzahl von Möbeln und Haushaltsgegenständen wurde in Deutschland versteigert. Alle konnten sie kaufen. Damit sollte die Stimmung unter den Deutschen im Krieg verbessert werden. Das war wichtig. Denn Bombenangriffe machten ihnen das Leben schwer. Viele verloren damals Wohnungen – aber auch Möbel. Die Verteilung der jüdischen Möbel wurde als wichtig für einen Sieg eingestuft. Ein Beispiel war die Stadt Lüttich in Belgien. Dort sollte der Sicherheitsdienst einen Befehl ausführen. Die jüdische Bevölkerung dort sollte möglichst bald verhaftet werden. Damit deren Möbel »frei werden«.


Diesen Text hat Henning Bleyl geschrieben. Er wurde in verständliche Sprache übertragen. Der Originaltext heißt: »Möbeltransporte im Kontext des Massenmords«. In: Irene Nierhaus et al (Hg.): Unbehaust Wohnen, Mariann Steegmann Institut der Universität Bremen 2019

Käthe und Adolf Maass und ihre Beziehungen zu Kühne und Nagel

Der Text wurde im Original von Christoph Laue geschrieben. Er arbeitet für das Kommunalarchiv Herford und die Gedenkstätte Zellentrakt Herford. Dieser Text wurde in verständliche Sprache übertragen:

Der Kaufmann Adolf Maass wurde am 9.10.1875 in Borgholzhausen geboren. Das liegt bei Gütersloh. Damals hieß er allerdings Abraham und nicht Adolf. Den Vornamen änderte Adolf Maass am 14.4.1919 durch den Senat in Hamburg. Nach dem Abitur fing Maass eine Lehre in Bremen an. Das war bei der Spedition Kühne und Nagel.

Diese Spedition war 1890 gegründet worden. Schon nach eineinhalb Jahren konnte er seine Lehre beenden. Danach bekam er eine eigene Abteilung.

1902 schickte ihn der Firmengründer August Kühne nach Hamburg. Dort sollte er eine Niederlassung gründen. Seit 31.1.1902 wohnte Maass in Hamburg. 1910 wurde Adolf Maass Teilhaber der Firma Kühne und Nagel. Ihm gehörte von da an ein Teil des Unternehmens.

Am 10. April 1911 heirateten Käthe Elsbach und Adolf Maass in Herford. Die Feier fand in Hannover statt. Am 23. September 1913 heiratete Käthes Schwester Ellie Elsbach Carl Lipmann. Ihre Hochzeit fand in Herford statt. Beide Töchter zogen dann mit ihren Männern nach Hamburg. Aber eine Verbindung nach Herford blieb. Denn beide Männer wurden für ein Unternehmen in Herford tätig. Das war die Herforder Elsbach AG. Die Aufgabe der Männer war es, als Aufsichtsräte die Geschäfte zu kontrollieren. Carl Lipmann hatte 1895 ein Unternehmen gegründet. Es hieß »Naturdarmimportfirma Carl Lipmann und Co«.

Die Firma wurde schnell groß. Ihre Aufgabe war es, verschiedene Därme zu sortieren. So wurde sie in kurzer Zeit zur größten Darmsortieranstalt und Darmfabrik Deutschlands.

Die Familien Maass und Lipmann kauften große Häuser. Sie standen an der Blumenstraße und an der Straße Bellevue in Hamburg-Winterhude. Die Familien wurden im gesellschaftlichen und kulturellen Leben Hamburgs aktiv. Käthe und Adolf Maass bauten ihre Bibliothek und Kunstsammlung weiter aus.

Sie hatten 3 Kinder. Herbert, geboren 1912, Lisa, geboren 1916, und Gerhart, geboren 1918. Alle Kinder besuchten höhere Schulen in Hamburg.

Herbert Maass machte 1930 sein Abitur am Gymnasium »Johanneum«. Anschließend studierte er Rechtwissenschaften in Hamburg. 1933 beendete er sein Studium und machte sein Referendar-Examen. Mit 21 Jahren bekam er seinen Doktortitel als Jurist. Anschließend wollte er vermutlich Richter werden. Er wurde aber nicht zum Rechtsreferendar ernannt. Das wurde ihm verweigert. Noch im selben Jahr wanderte er nach England aus. Grund waren die vielen Maßnahmen gegen Juden in Deutschland. In England setzte er im Jahr 1934 sein Studium fort. Danach war er bis 1940 in England als Jurist tätig.

Die Tochter Lisa beendete ihre Schulzeit im März 1933 an der Firgau-Schule. Die Schule war in Hamburg in der Sierichstraße 53. Sie fing eine Ausbildung zur Säuglingsschwester an. Diese Ausbildung durfte sie in Deutschland aber nicht mehr zu Ende machen.

Deswegen beendete sie ihre Ausbildung in England. Lisa Maass wanderte im Dezember 1938 in die USA aus. Sie ist nach New York gegangen.

Gerhart Maass verließ 1936 das Heinrich-Hertz-Realgymnasium am Voßberg in Hamburg ohne Abitur. Er begann eine kaufmännische Ausbildung. Er wurde Mitte der 1930er Jahre nach Schweden geschickt. Dort hatte die Firma »Rudolf van der Walde« eine Niederlassung. Nach einem Aufenthalt in Stockholm wanderte er 1938 nach Kanada aus.

1932 starb der Gründer der Firma, August Kühne. Seine Söhne Alfred und Werner übernahmen nun das Geschäft. Alfred leitete das Hamburger Haus, sein Bruder blieb im Stammhaus in Bremen.

1932 wurde das Unternehmen neu aufgeteilt. Adolf Maass war nur am Geschäft in Hamburg beteiligt. Aber mit fast der Hälfte – nämlich 45 Prozent. Die Söhne Alfred und Werner Kühne bekamen jeweils 20 Prozent. In diesem Verhältnis teilten sie auch die Gewinne. Sie standen aber auch für die Verluste gerade. Gleichzeitig erklärten sie, dass das Hamburger Unternehmen beim Bremer Teil Schulden habe. Nämlich 122.635,91 Reichsmark. Für seine Anteile erkannte Maas Schulden von 55.186,15 Reichsmark an. Diese Schulden sollten im Lauf der nächsten Jahre verrechnet werden.

Aber schon im Jahr darauf musste Adolf Maass Kühne und Nagel verlassen. Im März 1933 berichtete Käthe Maass darüber an ihren Sohn Herbert Maass. Sie schrieb einen Brief. »Ich hoffe, dass Vati sich heute entschließt.«

Im April 1933 wurde eine Vereinbarung geschlossen. Sie sah vor, dass Adolf Maass aus dem Unternehmen ausscheidet. Er erhielt auch keine Einnahmen mehr aus möglichen Gewinnen. Und er stand auch nicht mehr für mögliche Verluste gerade.
Viel später wurde die Firma Kühne und Nagel 75 Jahre alt. Zur Feier wurde eine Festschrift erstellt. Darin gab es nur eine kurze Erwähnung. Darin stand: »Im April 1933 scheidet Adolf Maaß aus, um als Teilhaber in eine Großhandelsfirma seiner Verwandtschaft einzutreten. Alfred und Werner Kühne führen die Firma als Alleininhaber weiter«

Adolf Maass trat danach in ein Unternehmen seines Schwagers ein. Es hieß »Lipmann und Co«. Aber dieses Unternehmen würde 1938 aufgelöst. 1938 musste er auch aus dem Aufsichtsrat der Elsbach AG austreten. Das Vermögen der Familie wurde gesperrt. Und es wurde eine sogenannte »Judenvermögensabgabe« festgesetzt. Die Höhe der Abgabe hat 35.000 Reichsmark betragen. Die Familie bekam damals noch Geld aus einer Erdölquelle bei Celle. Dieses Geld mussten an den Hamburger Oberfinanzpräsidenten abgeführt werden.

Nach der Pogromnacht 1938 wurde Adolf Maass verhaftet. Er wurde dann mehrere Wochen im Konzentrationslager Sachsenhausen festgehalten. Die Familie Lipmann wanderte mit vier Kindern nach Montevideo in Uruguay aus. Das war im Jahr 1940.

Käthe und Adolf Maass schickten ihren drei Kindern verschiedene Sachen ins Ausland. Sie sendeten ihnen je einen Container mit Hausrat und Möbeln. Und auch einen Teil ihrer Bibliothek. Das war im Jahr 1938. Käthe und Adolf Maass wollten erstmal in Hamburg bleiben. Aber 1941 versuchten sie, eine Ausreise-Erlaubnis zu erhalten. Das ist ihnen nicht gelungen. Im Sommer 1941 mussten sie ihr Haus in der Blumenstraße verkaufen. Sie bekamen dafür weniger Geld als üblich. Der Erlös des Verkaufs kam auf ein Sperrkonto. Das Ehepaar kam also nicht mehr an das Geld heran. Am 25. Oktober 1941 sollten sie nach Lodz in Polen gebracht werden. Dazu kam es aber nicht. Ende 1941 mussten sie auf engstem Raum in das »Judenhaus« einziehen. Das war in der Bogenstraße 25. Viele andere jüdische Menschen wurden dort untergebracht. Am 15. Juli 1942 kam dann ein Befehl. Sie wurden in das Konzentrationslager Theresienstadt gebracht und dort eingesperrt.

Das Ehepaar wurde von Theresienstadt am 15. Mai 1944 nach Auschwitz gebracht. Dort wurden beide wahrscheinlich sofort nach der Ankunft ermordet. Ihre Kinder haben das erst im Laufe des Jahres 1945 erfahren.

Herbert Maass wurde als Deutscher in England 1940 der Spionage verdächtigt. Er ist deswegen verhaftet worden. Er wurde bis 1942 in einem Lager in Australien eingesperrt. Danach ist er in die britische Armee eingetreten. Er änderte seinen Namen 1943. Er hieß dann Edward Arthur Marsden. Kurz vor Kriegsende 1945 wurde er nach Indien geschickt. Er kehrte 1946 nach England zurück. Ab 1955 war er dann wieder in Deutschland. Er wurde beim Obersten Rückerstattungsgericht mit Sitz in Herford tätig.

Gerhart Maass ist 1942 in die kanadische Armee eingetreten. Er nannte sich damals Gerry. 1944 wurde er kanadischer Staatsbürger. Er diente bei der Armee in Frankreich, Holland und Deutschland. 1945 wurde er in Oldenburg eingesetzt. Er kümmerte sich intensiv um die Rückgabe der Firma in Herford. Außerdem kümmerte er sich um das Verfahren zur Wiedergutmachung. Im September 1946 ging er nach Montreal in Kanada zurück.

Es gibt heute gerettete Reste der Bibliothek der Familie Elsbach-Maass. Seit 2013 sind die Reste der Bibliothek im Herforder Elsbach-Haus zu sehen. Das Elsbach-Haus ist der frühere Firmensitz der Elsbach AG. 2018 wurde dort eine Ausstellung zur Familien- und Firmengeschichte der Elsbachs gezeigt. Die Ausstellung ist nun dauerhaft dort zu sehen.

Sie möchten weitere Informationen und Dokumente ansehen? Dann klicken Sie einfach auf diesen Link: https://www.zellentrakt.de/elsbachbibliothek.html .

Die »Aktion 3«: Volksfest-Stimmung und zertrampelte Vorgärten

Im November 1941 wurden die Vermögen verschleppter jüdischer Menschen offiziell eingezogen. Das regelte das Reichsfinanzministerium. Auch der sonstige Besitz zum Beispiel aus Wohnungen wurde den Menschen genommen. Damals nannte man dies »Verwertung«. Das geschah überall im damaligen Deutschen Reich. Dafür arbeiteten Finanzbeamte, Geheime Staatspolizei »Gestapo« und Stadtverwaltungen zusammen. Aber auch Beschäftigte bei Hausverwaltungen, Gerichtsvollziehung, Banken, Auktionen und Speditionen machten mit. Sie alle halfen, Vermögen und Besitz den jüdischen Menschen zu nehmen. Für diese Maßnahme gab es die Tarnbezeichnung »Aktion 3«. Dabei wurden Gewinne in großer Höhe gemacht. Diese Gewinne lagen bei rund 778 Millionen Reichsmark.


Doch auch vor 1941 gab es bereits zahlreiche Plünderungen jüdischen Eigentums. Etwa während der Reichspogromnacht 1938. Im »Gau Baden-Elsass« wurde 1940 erstmals gebietsweise verschleppt und »verwertet«. Die Nazis zwangen die Menschen, ihre Wohnungen zu verlassen. Sie wurden dann in Lager eingesperrt. Das war eine Probe für die Nazis. Sie wollten schauen, wie gut dieses Vorgehen funktioniert. Der Versuch verlief ganz in ihrem Sinne. Es gab keine großen Proteste von Nachbarn oder Nachbarinnen der jüdischen Menschen. Aber es gab großes Interesse an deren Eigentum.

Im badischen Lörrach machte ein Polizeifotograf im Oktober 1940 Fotos. Er fotografierte, wie Eigentum jüdischer Menschen versteigert wurde. Die Fotos zeigen, dass eine Stimmung wie auf einem Volksfest herrschte.

Aus der Nachbarschaft gab es später Beschwerden über zertrampelte Vorgärten. Die Menschen gingen einfach durch die Gärten der Nachbarn. So viele waren es, die sich für die Versteigerung jüdischen Eigentums interessierten.

Dieser Text stammt im Original von Henning Bleyl. Er wurde in einfache Sprache übertragen.

Flucht über das Meer und gestohlene Umzugskisten

Bremen hatte als Hafenstadt einen besonderen Anteil an der »Verwertung«. Vor allem an der Verwertung von beweglichem Hab und Gut. Ganz besonders das Unternehmen »Kühne und Nagel« mit seinen europaweiten Geschäften. Es war an der »Aktion M« beteiligt. Bremen profitierte auch davon, dass es ein Hafen für Auswanderer war. Viele jüdische Menschen versuchten, Europa über den Seeweg zu verlassen.

Dutzende Bremer Speditionen verdienten gut an diesem Geschäft. Unter anderem die Unternehmen F. W. Neukirch, Friedrich Bohne und Bachmann. Mittlerweile wird vom Deutschen Schiffahrtsmuseum erforscht, welche Speditionen noch mitgemacht haben. Denn die Umzugskisten landeten oft auf so genannten »Juden-Auktionen«. Ihre Besitzer dachten, sie würden an Bord verladen werden.

Und auch die Bremer Staatsbibliothek nahm Bücher aus Juden-Auktionen auf. Insgesamt 1.600 Bücher waren so hinzugekommen. Das waren mehr als 40 Prozent der Neuzugänge. Also fast Hälfte. Sie alle haben die Abkürzung »J.A.« bekommen, das steht für »Juden-Auktion«. Diese Methode war auch von hoher Stelle so gewollt. Unter anderem vom Direktor der Bibliothek, Knittermeyer, höchstpersönlich.

Diesen Text hat Henning Bleyl verfasst. Er wurde in die verständliche Sprache »Verso« übersetzt.

Deutsche Presse Agentur vom 29.08.2023: DSM bringt Datenbank für geraubtes jüdisches Eigentum an den Start

Das Deutsche Schifffahrtsmuseum hat eine neue digitale Datenbank. Sie heißt »LostLift«. Das heißt übersetzt: Verlorene Container. Dort kann man geraubte Umzugsgüter jüdischer Flüchtlinge suchen. Gestartet ist die Datenbank am 1. September 2023. Das war der Tag, an dem 1939 der Zweite Weltkrieg begann.

Eva Evans ist heute 99 Jahre alt. Sie war 14 Jahre alt, als ihre Eltern die Kisten packten. Sie wohnten in einer großen Berliner Wohnung. Die Eltern nahmen Gemälde von den Wänden. Sie verpackten sorgsam Kerzenleuchter. Der ganze Hausrat wurde eingepackt. Alles kam in Kisten – sogenannte »Liftvans«. Das Ziel: Sie sollten nach Großbritannien geschickt werden. Denn für die jüdische Familie wurde das Leben unter den Nationalsozialisten gefährlicher. Sie wanderte aus. Aber in Großbritannien angekommen, wartete die Familie vergebens auf die Umzugsgüter. Sie sollten Großbritannien mit dem Schiff erreichen. Aber es kam nur das Handgepäck an.

Alle anderen Kisten wurden in Deutschland versteigert. Das hat Eva Evans erst jetzt erfahren. Mehr als ein halbes Jahrhundert später. Jetzt hilft Frau Evans anderen bei der Suche. Sie hat ein Buch über ihr Leben als Flüchtling geschrieben. Und sie sucht nach Spuren der verschwundenen Umzugsgüter. »Frau Evans ist die erste Zeitzeugin, die sich aufgrund unserer Forschungen meldete. Sonst melden sich eher Nachfahren«, sagt Dr. Kathrin Kleibl. Sie erforscht das Thema zusammen mit Susanne Kiel. Sie spüren die Herkunft von versteigerten Umzugsgütern auf. Und sie erforschen, wo etwas herkommt. Eva Evans erinnert sich lebhaft an die Durchsuchungen vor vielen Jahren. Ein Mann vom Zoll kam in ihre Wohnung. Er sah alle Listen ganz genau durch. Vieles, was auf diesen Listen stand, wurde später versteigert. Es tauchte dann in Protokollen der Versteigerungen auf. Und diese Protokolle gibt es zum Teil noch. Auch ein Protokoll von der Versteigerung aus der Wohnung der Familie Evans. »Ich habe ihr das im Archiv gefundene Versteigerungsprotokoll geschickt«, sagt Frau Keibl. Eva Evans konnte so feststellen, dass es ihre Gegenstände waren. »Das war sehr berührend«, sagt Keibl. Denn so konnte sie ein Stück Familiengeschichte aufarbeiten. Und dadurch bekommen die Forscherinnen wichtige Hinweise. Schon im Jahr 2018 hat diese Forschung angefangen. Die Forschungsprojekte werden gefördert vom »Deutschen Zentrum Kulturgutverluste«. Sie sollen herausfinden, wie jüdische Personen in Bremen und Hamburg enteignet wurden. Vor allem in den Häfen der Städte. Dr. Kathrin Kleibl und Susanne Kiel gehen dabei wie Detektivinnen vor. Sie sichten in Kleinarbeit tausende Dokumente aus den Staatsarchiven der beiden Städte. Sie sammelten Hinweise zu versteigerten Möbeln, Musikinstrumenten, Gemälden und ähnlichen Dingen. Alles schrieben sie in den letzten

Jahren in die LostLift-Datenbank. So entstand die bisher erste und einzige Datenbank dieser Art. 5.500 Namen stehen dort. Dazu kommen 3.200 Fälle von Raub. Die Datenbank zeigt den Weg der Güter. Man kann alle Beteiligten online suchen. Man findet die betroffenen Familien. Und auch die Menschen, die die Waren kauften.

Auch die beteiligte Umzugsfirma oder Spedition und Gerichte werden genannt. All diese Informationen lassen sich online mit einem Klick abrufen. Nach dem Krieg haben die Familien Anträge gestellt. Sie wollten ihre Möbel wiederhaben. Diese Anträge helfen bei der Suche.

Die Forscherinnen wollen Aufmerksamkeit schaffen. Bisher sei das Thema von geraubten jüdischen Gütern wenig aufgearbeitet. Vor allem in Bremen und Hamburg wollen sie Interesse wecken. Und sie wollen die Bevölkerung ermuntern, weitere Hinweise zu geben.

»Gibt es Erbstücke, die nicht eindeutig aus der Familie stammen?«, fragt Kleibl. Vielleicht wurden diese ja während des Kriegs gekauft. Sie könnten bei der Suche nach Antworten helfen. Die Arbeit der Forscherinnen ist ein Startschuss. Er könnte eine Welle lostreten. Das Team steht erst am Anfang. Ihre deutsch-englische Datenbank wächst mit jedem Eintrag weiter. Allerdings: Die Aufarbeitung kommt spät. Die Ereignisse geschahen vor 75 Jahren. »Was wir machen, hätte schon viel früher geschehen müssen«, sagt Susanne Kiel. In der Zeit nach dem Krieg wurde Deutschland neu als Bundesrepublik gegründet. Da schwiegen fast alle. Auch, um keinen Schadenersatz zahlen zu müssen. Und um nicht mit der Frage der Schuld belastet zu werden. Das holen die Forscherinnen jetzt nach. Sie übernehmen die Aufgaben der früheren Landesämter für Wiedergutmachung. Und sie gehen noch weiter. Sie machen das Schicksal von Menschen sichtbar, die ins Ausland geflüchtet sind. Auch diese waren Opfer der Nationalsozialisten.

Die LostLift-Datenbank ist im Internet zu finden unter: www.lostlift.dsm.museum und https://www.dsm.museum/pressebereich/dsm-bringt-datenbank-fuer-geraubtes-juedisches-eigentum-an-den-start

Das »Dritte Reich«: eine Gemeinschaft des Raubes

Überall im Deutschen Reich wurden Sachen von jüdischen Menschen verkauft. In jeder Stadt und jedem Dorf. Überall, wo Juden gelebt haben. Ihre Habseligkeiten kamen unter den Hammer, wurden versteigert. Meistens direkt nachdem die Menschen verschleppt wurden. Alles wurde genau dokumentiert. Die Versteigerer schrieben alles ganz genau auf. Jeden Verkauf von jüdischem Eigentum in den Jahren zwischen 1933 und 1944. In unzähligen Listen sind die Gegenstände erfasst. Betten und Schränke, Tische und Stühle, Bettwäsche, Kleidung, Musikinstrumente und Spielzeug. Daneben steht der jeweilige Preis.

Der Ablauf damals war fast immer gleich. Die Bewohner mussten ihre Wohnung verlassen. Die Geheime Staatspolizei hatte ihnen die Schlüssel abgenommen. Diese Schlüssel gaben sie weiter an Mitarbeitende aus den Finanzämtern. Manchmal stand da schon fest, welche Einrichtung zu Behörden gehen sollen. Schränke und Schreibtische erhielten Verwaltungsbehörden. Bücher gingen an Bibliotheken. Haushaltswaren hat die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt erhalten. Das war eine Verteilungsstelle für arme Leute. Der Wert der übrigen Gegenstände wurde in der Regel geschätzt. Sie wurden dann versteigert. Entweder direkt aus der Wohnung heraus – oder aus einem »Versteigerungslokal«.

Die Aufträge zur Versteigerung kamen von Behörden. Entweder von der Geheimen Staatspolizei oder der Oberfinanzdirektion. Die Einnahmen aus den Versteigerungen gingen in die Reichskasse. Aber auch Unternehmen verdienten daran. Zum Beispiel Spediteure,

Lagerverwalter und Vermieter:innen. Alles wurde genau notiert. Jeder Handgriff, jeder Gegenstand, jeder Käufer und Käuferin. Aber auch Mietkosten und Gebühren. Ebenso die Summen, die an die Reichskasse gingen. Die Versteigerer bekamen meist 10 Prozent von dem, was Käufer bezahlten. Die Versteigerungen waren nicht geheim. Sie wurden in Zeitungsanzeigen bekannt gemacht. Die Versteigerungen waren große Ereignisse an zentralen Orten. Man machte offen Werbung mit »Judensachen«. Es war die Rede von »Möbeln aus nicht »arischem« Besitz. Die Preise waren sehr niedrig. Es kam zu regelrechten Schnäppchenjagden. Die Käufer und Käuferinnen wussten: Die Besitzer kommen nicht zurück. Manchmal konnten bestimmte Menschen zuerst kaufen. Sie wurden bevorzugt. Zum Beispiel Paare, die gerade geheiratet hatten. Und Menschen, die bei Bombenangriffen ihren Haushalt verloren hatten. Das stand oft schon in den Anzeigen.

Dieser Text stammt im Original vom MDR. Er hießt »MDR-Zeitreise-Schwerpunkt: Die Versteigerer - Profiteure des Holocaust. Wie sich der NS-Staat jüdisches Eigentum einverleibte«. Veröffentlicht am 24. Juni 2022, 10:17 Uhr

https://www.mdr.de/geschichte/ns-zeit/holocaust/die-versteigerer-juedisches-eigentum-juden-im-dritten-reich-100.html

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